Glück oder Durchhaltevermögen?

Stell Dir vor, du startest bei einer Kundengewinnung nicht bei null sondern bei -100.

Ich war 2014 auf einer Veranstaltung eines Unternehmens, um mal auszuloten, was zwischen mir und dem Unternehmen zusammen klappen könnte. Leider wusste ich nicht, dass ich mich da anmelden musste, was dem Unternehmen gar nicht gefiel und sie mich vor dem Mittagessen des Raumes verwiesen. Ich lies mich trotzdem nicht entmutigen und machte mit einer Filiale des Unternehmens eine Präsentation aus. Dort war die einhellige Meinung, dass ich zu negativ drauf war und nicht geeignet für sie wäre. Für mich bis dahin die erste Niederlage und völliges Unverständnis, wie ich als negativ empfunden werden könnte. Es hat mich aber so gepackt, dass ich gerade auf Grund dieses Termin extrem hart an mir und meinen Präsentationen gearbeitet habe. Später erfuhr ich, dass ich auf einer schwarzen Liste stand. Also Menschen, die gar keine Chance mehr haben, einen Auftrag zu bekommen. Ich blieb trotzdem dran und telefonierte regelmäßig mit den Kontakten, die ich in das Unternehmen hatte. Ohne Erfolg. Im Herbst 2016 habe ich dann einen der Regionaldirektoren auf meinen Vortrag auf eine Messe eingeladen. Er fand mich extrem gut und bat mich, mich in der Runde aller Direktoren vorzustellen. Bis dahin traf ich noch mal den Mann, der mich damals des Raumes verwiesen hat, der es nicht lassen konnte, mich zu provozieren und zu versuchen, mich aus der Reserve zu locken. Langsam nahm ich es sportlich und mein Ehrgeiz wurde gepackt. Auf der Präsentation vor sämtlichen Vertriebsdirektoren kam dann durchweg positives Feedback, auch wenn ich es deutlich euphorischer gewohnt bin. Vorteil war auch, dass meine Bücher schon bekannt waren und der Inhalt überzeugt hatte. Ich war aber zu dem Zeitpunkt noch bei -100. Wäre ich bei null gewesen, hätte es wohl direkt Aufträge gegeben. Anfang des Jahres war es dann soweit. Durch einen glücklichen Zufall, durfte ich mich wieder vor dem Unternehmen präsentieren und hatte so einen guten Eindruck hinterlassen, dass ich direkt 7 Trainingstage bekommen habe. Die Antwort einer der Personen, die mich damals als zu negativ empfanden: „Da haben Sie sich ja richtig gut entwickelt“ Ich habe mich auch aufrichtig bei ihm bedankt, denn diese angeblich schwierigen Momente lassen mich noch stärker zurück kommen, wenn ich die Situation ergreife.

Was heisst das für uns als Verkäufer? Wenn ich von meiner Leistung überzeugt bin, dann lasse ich mich auch nicht durch komische und unvorhersehbare Situationen aus dem Konzept bringen. Ich suche nach Lösungen, frei nach dem Motto. Wenn dieser Weg nicht geht, versuche einen anderen. So kann auch ein Auftrag, der von außen betrachtet völlig ausgeschlossen war, dennoch kommen und der gewünschte Erfolg eintreten.

Gute Dinge bzw. große Dinge brauchen auch manchmal etwas Zeit. Es geht nicht immer in einer uns suggerierten Schnelligkeit und Leichtigkeit. Auch wenn viele selbsternannten Experten meinen, dass alles ganz einfach und easy geht, wage ich zu bezweifeln, wie viel diese Personen tatsächlich erreicht haben.

Dass heisst auch, es ist lohnenswert, sich selbst kritisch zu hinterfragen, immer besser zu werden und dann zum geeigneten Zeitpunkt völlig frisch und noch besser da zu sein. Dann ist das nämlich kein Glück sondern der Gewinn der ständigen Mühe und des Dranbleibens.

Es geht in diesem Fall auch nicht um immer besser werdendes Marketing, was in der heutigen Zeit der große Renner zu sein scheint. Es geht darum, als Person, Produkt oder Dienstleister immer besser zu werden, sodass auch so ein Kunde mit der Zeit merkt, was sich da entwickelt. Dann ist es kein Glück sondern der strategisch kluge Weg, immer dran zu bleiben und sich kontinuierlich weiter zu entwickeln.

Welche Interessenten haben Sie noch, bei denen Sie mal unglücklich agiert haben und bei denen Sie noch mal mit dem heutigen Wissen und der heutigen Kraft auftreten könnten?